Kindheitserinnerungen im Faust

Goethes mythologisch verschlüsselte Selbstanalyse

insbesondere im 3.AKT FAUST2 DER “HELENA-AKT“

FAUST2-Text: 5 Akte mit 4 Pausen. Eine Nacht.

How Goethe developed his famous two children's dreams into FAUST POETRY.

Autor: Dr.med.Rolf Tiedemann, München, 25-Januar 2025

Der Autor behandelt seit Jahrzehnten Menschen mit schweren Traumen und Wiederholungszwang. Dies führte zu der Überlegung, wie die Psyche eine Persönlichkeitsspaltung [1] oder Dissoziation am einfachsten in seelischen Notzuständen, Trauma-Situationen (s. Freud, S. 1920g; SE 18, S. 31), durchführen könnte. Dies könnte durch Regression geschehen (s. z. B. Ferenczi, 1924, S. 121), aber auf welche psychische Entwicklungsstufe? Eine Idee wäre: auf Zell-Niveau. Nicht beweisbar, Unsinn?

Der Autor beschäftigte sich früher intensiv mit Goethes Faust-Dichtung (1986, 1988, 1995, 2002; u. a.: 1995, 2010). Goethe erlitt als Kind vermutlich einige schwere seelische Traumen (s.u.). In „Faust“ ist Mephisto als Persönlichkeitsabspaltung Goethes interpretierbar (s.u.). Könnte Goethe, bei seinem zeitweilig enormen Zugang zu seinem Unbewussten (Eissler, ([1963] 1983; 1985) auf irgendeine Weise auf Regression auf Zell-Niveau in „Faust“ hinweisen? Das Wort „Zelle“ gibt es in dem Schauspiel nicht, aber „Ei“ (5476)! Ein Ei ist eine einzige Zelle [2] (mit harter Schale). Goethe beschreibt in „Faust 2“ die Regression des


[1] Der unscharfe alte Begriff der Persönlichkeitsspaltung wurde hier extra gewählt als Oberbegriff für z. B. die komplexe posttraumatische Belastungsstörung (komplexe PTBS, K-PTBS), die dissoziative Identitätsstörung (DIS) oder nicht organische Persönlichkeitsstörungen (PS).

[2] Im Rahmen seiner Naturstudien beschäftigte Goethe sich auch mit der Entstehung des Lebens. Der Ausgangspunkt der Embryonalentwicklung, das Ei des Menschen, wurde schon 1827 (v. Baer) gefunden. 1817 schrieb Chr. H. Pander „Beiträge zur Entwicklungsgeschichte des Hühnchens im Eye“. Die seltene Arbeit, ein Schlüsseltext der Biologiegeschichte, befindet sich auch in Goethes Privatbibliothek (Knebel, Maul, Schmuck, 2019, S. 288–309). Erst Jahre nach Goethes Tod entwickelten Matthias Schleiden und Theodor Schwann den Begriff „Zelle“.